Seit einem Jahr möchte ich mich in Resindrucker einarbeiten und kaufte einen Anycubic. Doch erschien mir letztendlich Resin als zu limitierend. Mit meinen FDM-Druckern kann ich technische Filamente, PLA, CARBON, TPU (gummiartiger Kunststoff) drucken. Mit dem Resindrucker kann man nur sprödes Harz drucken, dachte ich und gab den Anycubic in der Verwandtschaft weiter. Aber ….
Es gibt gar gummiartiges Resin (Harz), ähnlich wie TPU mit einer geringen Shore-Härte.
raxistest: Flexibles Resin für 3D-Harzdrucker – Chancen, Grenzen und echte Alltagserfahrungen
Flexibles Resin gehört zu den spannendsten, aber auch anspruchsvollsten Materialgruppen im Harz-3D-Druck. Obwohl die meisten Anwender Standardharze für harte, präzise Bauteile bevorzugen, eröffnet flexibles Resin völlig neue Einsatzbereiche: gummiartige Dichtungen, Stoßabsorber, funktionale Schnappverbindungen, vibrationstolerante Gehäuseteile oder Prototypen, die ein reales Elastizitätsgefühl vermitteln sollen. In diesem Testbericht wurden verschiedene flexible Resins mit Shore-Härte zwischen 40A und 80A auf modernen 405-nm-LCD-Druckern erprobt, wobei der Schwerpunkt auf Shore-40-Materialien lag, da diese den höchsten Anspruch an Drucker und Nutzer stellen.
Bereits beim Öffnen der Flasche fällt die deutlich höhere Viskosität auf. Flexibles Resin fließt zäh und erinnert eher an dickflüssigen Honig als an normales Standardharz. Dieser Unterschied beeinflusst den gesamten Druckprozess: Das Resin benötigt mehr Zeit, um sich nach jeder Schicht zu beruhigen, und reagiert deutlich sensibler auf Druckparameter wie Z-Hub-Geschwindigkeit oder die Belichtungszeit. Eine der größten Herausforderungen zeigt sich bei der ersten Kalibrierung: Während normales Resin oft schon mit 2–3 Sekunden Belichtung auskommt, benötigen flexible Harze häufig 6–10 Sekunden pro Schicht. Der Druck verlangsamt sich dadurch deutlich.
Im eigentlichen Test zeigte sich jedoch auch der große Vorteil: Die Resultate besitzen eine beeindruckende Elastizität. Ein mit Shore-40 resin gedrucktes Musterteil – ein 3 mm dicker flexibler Steg – ließ sich ohne sichtbare Beschädigung mehrfach vollständig biegen. Selbst nach starkem Verdrehen kehrte das Material nahezu in seine ursprüngliche Form zurück. Anders als TPU im FDM-Druck liefert flexibles Resin eine unerreicht feine Oberflächenqualität. Kanten wirken sauber, Rundungen glatt, und sogar feinst strukturierte Puffer- oder Grip-Elemente lassen sich präzise wiedergeben.
Bei Belastungstests fällt jedoch auf, dass die Flexibilität nicht mit der Zähigkeit gewöhnlicher Kunststoffe verwechselt werden darf. Flexibles Resin ist elastisch, aber weniger bruchsicher als TPU oder TPE. Besonders dünne Segmente können bei ruckartiger Überdehnung einreißen. Auch Querkräfte, die die Schichten voneinander lösen, sind problematisch – ein Grund dafür, dass die Druckzeit und Aushärtung besonders sorgfältig gewählt werden müssen.
Ein weiterer wichtiger Punkt im Test war das Entfernen des Drucks vom Druckbett. Aufgrund der Materialeigenschaften haftet flexibles Resin stärker am Buildplate, während gleichzeitig die Druckteile selbst nachgeben und sich beim Ablösen durchbiegen. Besonders bei Shore-40-Resin empfiehlt sich eine flexible Abziehplatte oder ein behutsameres Vorgehen mit einem dünnen Spachtel. Anschließend sollte das Teil gründlich gewaschen werden; bei zu starker mechanischer Belastung im nassen Zustand kann es sich dehnen oder verformen.
Die Nachhärtung im UV-Gerät erfordert ebenfalls Feingefühl. Zu viel UV-Belichtung macht das Teil spröder, während zu wenig Belichtung zu einer klebrigen Oberfläche und einer verminderten Formstabilität führt. Der ideale Bereich lag im Test bei 10–20 Minuten je nach Materialstärke. Danach war die Elastizität deutlich spürbar, ohne die typische Klebrigkeit zu zeigen, die bei unterhärteten flexiblen Harzen üblich ist.
Fazit des Tests: Flexibles Resin ist kein Plug-and-Play-Material, sondern erfordert Geduld und exakte Parameter. Wer bereit ist, sich einzuarbeiten, wird jedoch mit einzigartigen Ergebnissen belohnt. Für funktionale Prototypen, Dichtungen, Knöpfe, ergonomische Elemente oder stoßabsorbierende Bauteile ist flexibles Resin eine bemerkenswert vielseitige Wahl. Für Anwendungen, die extreme Haltbarkeit oder hohe Bruchzähigkeit verlangen, bleibt TPU weiterhin überlegen. Doch wer hohe Detailgenauigkeit und Elastizität kombinieren möchte, erhält mit flexiblem Resin eine Materialklasse, die im Harzdruck ihresgleichen sucht.